Kurzantwort
Vor einiger Zeit hatte ich über mein Vorhaben berichtet, eine neue Z-Achse für meine Openbuilds Mini OX zu bauen.
Der Prototyp entstand zunächst aus 3-mm-Aluminium.
Nach einem ersten Test stand fest: Die neue Z-Achse bereitete keine Probleme und alles passte so, wie ich es geplant hatte.
Nun konnte die endgültige Fertigung beginnen.
Ein neuer CAM-Workflow
Bis dahin hatte ich meine Zeichnungen in QCAD erstellt, anschließend in Estlcam bearbeitet und damit schließlich auch gefräst.
Für die neue Z-Achse lag die Konstruktion allerdings bereits vollständig in Fusion 360 vor.
Damit kam zwangsläufig die Frage auf:
Warum nicht auch einmal das CAM-Modul von Fusion 360 ausprobieren?
Gesagt, getan.
Warum Fusion 360?
Einen konkreten Anlass gab es ebenfalls.
Für die Verschraubung der Eurohalsaufnahme mussten die Schraubenköpfe versenkt werden. Andernfalls wäre der Abstand zur unteren Platte der Z-Achse zu gering gewesen.
Mit dem CAM-Modul von Fusion 360 hatte ich bis dahin nur wenig Erfahrung gesammelt.
Das war auch nicht unbedingt notwendig gewesen, denn meine bisherigen Fräsoperationen konnte ich problemlos mit Estlcam umsetzen.
Natürlich hätte ich auch diesmal das Modell aus Fusion 360 exportieren und anschließend in Estlcam weiterbearbeiten können.
Diesen Umweg wollte ich diesmal aber bewusst nicht gehen.
Also arbeitete ich mich in das CAM-Modul ein.
Die ersten Werkzeugwege
Einige Operationen ließen sich recht einfach umsetzen.
Dazu gehörten das Fräsen der Bohrungen und am Ende das Ausschneiden des gesamten Bauteils.
Mit der Bearbeitung der benötigten Senkungen hatte ich dagegen noch keine Erfahrung.
Nachdem die entsprechenden Konturen ausgewählt waren, ließ sich aber auch diese Operation überraschend unkompliziert erstellen.
Damit waren schließlich alle benötigten Werkzeugwege vorhanden.
Konservative Werte für Aluminium
Aluminium fräste ich auf meiner Shapeoko 2 grundsätzlich eher konservativ.
Das behielt ich auch bei diesem Projekt bei.
Für diesen konkreten Fräsvorgang stellte ich einen Vorschub von 270 mm/min ein. Das entsprach damals sowohl den Ergebnissen, die ich mit dem Sorotec-Schnittdatenrechner ermittelt hatte, als auch Erfahrungswerten, die ich im Shapeoko-Umfeld gefunden hatte.

Dieser Wert dokumentiert meine damalige Einstellung für genau diesen Aufbau und ist nicht als allgemeine Schnittdatenempfehlung für Aluminium zu verstehen.
Export und Fräsen
Nachdem alle CAM-Operationen fertig waren, ging auch der Export recht schnell.
Für Estlcam stand ein passender Postprozessor zur Verfügung, sodass ich an dieser Stelle keine größeren Probleme erwartete.
Nun musste das Teil nur noch gefräst werden.
Der ursprüngliche Beitrag enthielt dazu auch ein Video:
https://www.youtube.com/watch?v=jGBbLFyB7bc&t=1s
Der Fräsvorgang verlief ohne Probleme.
Anschließend konnte die neue Z-Achse endgültig an der Openbuilds Mini OX montiert werden.

Ergebnis
Damit war aus der Konstruktion tatsächlich eine funktionierende neue Z-Achse geworden.
Besonders interessant war für mich bei diesem Projekt aber auch der neue Workflow.
Statt die Konstruktion in einem Programm zu erstellen und für die CAM-Bearbeitung in ein anderes zu übertragen, konnte ich Modell und Werkzeugwege erstmals weitgehend innerhalb von Fusion 360 bearbeiten.
Estlcam blieb über den Postprozessor trotzdem Teil der Werkzeugkette.
Rückblick
Die neue Z-Achse bestätigte zunächst, dass die zuvor im CAD gelösten geometrischen Probleme auch in der Praxis funktionierten.
Gleichzeitig war das Projekt mein Einstieg in einen stärker integrierten CAD/CAM-Workflow.
Aus heutiger Sicht fast ebenso interessant wie die neue Z-Achse selbst: Ein reales Bauteil zwang mich dazu, mich intensiver mit CAM und Werkzeugwegen auseinanderzusetzen.
Manchmal braucht es eben erst ein konkretes Problem, bevor man sich mit einem neuen Werkzeug beschäftigt.
Technik verdient Klarheit.